Zwischen Kettenbrief und Netiquette – Bemerkungen zum „Verhalten“ in online Gruppen und Gewohnheiten der digitalen Kommunikation

Gestern war es mal wieder soweit: ein kurzer Text in einer meiner WhatsApp Gruppen wurde in Frage gestellt und daraus entwickelte sich eine Diskussion zwischen zwei Gruppenmitgliedern, die schnell über 25 Nachrichten umfasste. Da es mehrerer Schritte bedarf, so eine Diskussion auf „stumm“ zu stellen (s. unten), gab es einige genervte Gruppen-Teilnehmer, von denen dann einer sogar die Gruppe verließ.

Es ist nicht meine erste Erfahrung, bei der sich Vorteile der digitalen Kommunikation kurzfristig in Nachteile verwandeln, dass die permanente Erreichbarkeit und die Aufmerksamkeit, die das Smartphone von uns bekommt eine Überforderung zur Folge haben, denn keiner lässt einfach unberührt die „klings“ und „ding-dongs“ und all die anderen Töne und Signale des Handys links liegen.
Im Gegenteil, mit schöner Regelmäßigkeit beobachte ich in facebook Diskussionen, WhatsApp Gruppen oder (seltener) LinkedIn Diskussionen bestimmte Muster, die es auch schon zu Zeiten der „analogen“ Kommunikation gegeben hat. Das Stichwort „Kettenbrief“ mag für uns Ältere noch eher die Erinnerung an tatsächliche Briefpost wecken, während die Verbreitung nach e-mail Versionen heute via WhatsApp oder anderen Messenger Diensten noch viel schneller funktioniert.

typewriter copy

Wenn ich tatsächlich meinem „Glück“ nachhelfen will, wie das hier beschrieben wird, muss ich ja nicht nur den Text kopieren, sondern diesen dann auch an mindestens 10 Freunde weiter senden, oder – in der facebook Variante – ihn auf meine Wand posten und dann 10 Freunde „taggen“ (also quasi in das Foto verlinken). Die Erschaffer dieser modernen Art von Kettenbriefen sind natürlich eben nicht an „meinem Glück“ interessiert, sondern machen sich im besten Fall nur einen Spaß, meistens jedoch ist es Spam und dient dem Einsammeln von Daten / Namen, während es im schlimmsten Fall sogar zur Verbreitung von Viren kommen kann.

Immer wieder müssen wir Beobachter des digitalen Lebens deswegen wiederholen: „Verbreiten und Teilen Sie nicht einfach alles, was Ihnen so in die verschiedenen Eingangsboxen hinein fliegt. Seien Sie grundsätzlich kritisch, überprüfen Sie falls möglich und löschen Sie im Zweifelsfall!“. Dieser Grundsatz gilt dann nicht nur für die e-mail Inbox, sondern auch für den newsfeed bei facebook und eben auch für die verschiedenen online Gruppen.

Für grundsätzliche Regeln der Netiquette – also des „richtigen, anständigen Verhaltens“ und des respektvollen Umgangs mit anderen online Identitäten – ist es dabei unerheblich, ob diese Gruppe in einem sozialen Netzwerk oder bei einem Nachrichten-Dienst sich befindet. Alle diese Gruppen dienen der Kommunikation und haben jeweils einen bestimmten Zweck.

Nachrichtendienste wie WhatsApp, Messenger, Viber oder der  von mir empfohlene Schweizer WIRE sind eine Weiterentwicklung der originalen Chatdienste (erinnert sich noch jemand an den ersten Instant Messanger ICQ oder den AOL Dienst AIM, der Ende 2017 endgültig abgeschaltet wird?) in Kombination mit der einfachen Textnachricht / SMS. Während es schon in der 1-1 direkten Kommunikation immer wieder zu Missverständnissen kommt – weil das geschriebene Wort eben anders rezipiert wird, als wenn die Intonation die Informationen ergänzt (geschweige denn, wenn Mimik, Gestik und Körpersprache dazu kommt) – multipliziert sich diese Gefahr bei Gruppen um ein Vielfaches. Je mehr Stimmen, desto grösser der Wirrwarr. Um so wichtiger ist es deshalb, sich an bestimmte Regeln zu halten und auf diese durchaus auch immer wieder hinzuweisen. Dazu gehören:

  • jede Gruppe hat einen bestimmten Zweck. Es ist die Aufgabe jedes Mitglieds, sich NUR auf diesen Zweck zu beziehen und andere „interessante Dinge“ woanders zu teilen
  • jeder moderne Mensch kämpft sowieso schon mit einer Informations- und Signalüberflutung, deswegen ist es sinnvoll, sich grundsätzlich auf das Wesentliche zu beschränken und für längere Texte z.B. eher Anhänge, Dokumente oder Cloud-Ordner zu benutzen
  • es müssen nicht immer alle Gruppenmitglieder alles mitbekommen. D.h.: so bald ein Gespräch eher zu einem Zwiegespräch zwischen 2 Personen wird, sollten diese ihre Kommunikation in einem privaten Austausch fortsetzen

 

Der letzte Punkt erinnert mich an die Ende der 90er Jahre weit verbreitete Unsitte, bei e-mails die halbe Firma in cc: zu setzen, weil „…das Thema ja interessant ist“.  Daraus entspannten sich oft Kilometerlange e-mail Diskussionen. Bei einem Start-up in New York, für das ich Anfang 2000 tätig war, führte das zu massiven Problemen und Spannungen, so dass Menschen die in benachbarten „Cubicles“ (abgetrennte Räume in Großraumbüros) saßen, nicht mehr miteinander geredet haben. Im Führungsgremium mussten wir daher den Gebrauch von cc: für mehr als 2 Personen eine Zeitlang verbieten.

network

Nun ist es ja nicht so, dass Diskussionen und Meinungsaustausch nicht gewünscht sind – aber dafür gibt es eben andere Formen und Foren, die mehr Sinn machen. Öffentliche und geschlossene Gruppen bei einem Netzwerk wie facebook oder LinkedIn sind sehr gut zum weitergehende Austausch geeignet. Natürlich müssen gerade hier auch hier die allgemein gültige Netiquette immer wieder eingefordert werden, denn leider gibt es zu viele „Trolle“ und andere traurige Gestalten, die sich nicht an den „Anstand“ des respektvollen Umgangs von Menschen halten.

Um auf die WhatsApp Gruppe am Anfang zurück zu kommen. Die Form und Funktion der Messenger & Chat Programme erlaubt idealerweise nur den schnellen Austausch von Informationen und Fotos, sowie der Absprache von Terminen oder Verabredungen. Diese Dienste eignen sich nicht für Diskussionen oder tiefer gehenden Meinungsaustausch. In diesem Sinne habe ich diese Bemerkungen hier öffentlich als Blogpost geschrieben, um sie dann auch privat in der erwähnten Gruppe zu teilen – und das eben nur als freundlichen Hinweis, damit die Kommunikation zwischen den Mitgliedern harmonisch verläuft.

Im der sich schnell verändernden digitalen Welt, ist das ständige Weiterlernen notwendig – auch und gerade im Bereich des menschlichen Miteinander. Digitale Dienste und soziale Netzwerke sind und bleiben dabei Hilfsmittel und Kanäle für die Kommunikation. Wie diese Kommunikation abläuft, hängt Gottseidank immer noch von uns Menschen ab, auch wenn die bots schon längst Einzug gehalten haben – aber das ist ein anderes Thema.


Hier noch kurz die Anleitung zum „stumm“ stellen bei WhatsApp ->

  • die App öffnen
  • in der Chat Liste in das Gespräch oder Gruppe gehen, die man stumm stellen möchte
  • oben auf den Namen klicken
  • in den Details erscheint die Stummschaltung. Erfahrungsgemäß reichen die „8 Stunden“ (die Länge eines Arbeitstages), aber bei hartnäckigen Fällen kann man auch 1 Woche oder sogar 1 Jahr wählen.

Alternativ ist es auch einfach möglich alle „Benachrichtigungen“ des Handys auszuschalten oder die einzelne App auf „keine Benachrichtigungen“ einzustellen.

„social community building“ – Grundlagen

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Einen weiteren Artikel, den ich letzten Monat bei dem Informations-Portal managementpraxis.ch veröffentlicht habe, beschäftigt sich mit den Grundlagen und der Bedeutung von social media communities – also den Gemeinschaften, die in diesem Zusammenhang durch die sozialen Netzwerke entstehen sollen, um Unternehmens- oder Organisationsziele zu unterstützen.

„Social Community Building“ – Grundlagen der strategischen Online-Kommunikation

Es liegt in der Natur des Menschen, sich zu verbinden, zu engagieren und zu interagieren. Durch die Allgegenwart des Internet, in der man eine Community für fast jede Nische findet, ist dieser Wunsch nach gemeinsamem Austausch nie einfacher zu erfüllen gewesen. Mit dem Aufbau ihrer eigenen Community werden sie zunächst Teil eines Diskurses, bevor sie diesem auch Impulse geben können.

Gut, wenn Sie bereits eine online Strategie haben! Es ist auch gut, wenn in ihrer Firma bereits die Erkenntnis existiert, dass mindestens einige ihrer Kunden sowieso schon über ihre Firma, Marke, Produkte oder Dienstleistungen sprechen; und weil wiederum ein substantieller Teil der Kommunikation heute online stattfindet, gilt der Satz: „Sie (das Unternehmen, die Marke, etc.) sind jetzt schon Teil der sozialen Medien!“

Um diese digitale Kommunikation zumindest teilweise beeinflussen zu können, ist es notwendig ihr einen Rahmen zu geben und ein Forum zu bieten. Dafür dient der Aufbau einer „Online Community“ – also einer Gemeinschaft von Menschen, die in Ihr online Angebot interessiert ist. Eine Community dient nicht dazu, einen Applaus-Verein zu bilden, der jedes unternehmerische Vorgehen beklatscht – auch wenn „Fans“ und/ oder „Followers“ ein wichtiger Baustein einer guten Community sind – sondern vielmehr als ein Ort, bei dem sich Menschen über ihr Angebot austauschen können.
Diese Gemeinschaft, die freiwillig und unabhängig und ohne Kontrolle zusammenkommt, kann vielmehr einen echten strategischen und praktischen Vorteil bringen, wenn einige Grundlagen beherzigt werden.

Zum besseren Verständnis, was eine Community ausmacht, sind folgende drei Punkte zunächst wichtig:

  1. Die Community besteht aus unabhängigen Individuen, die nicht miteinander verbunden sind. (zumindest der Grossteil und gerade am Anfang).
  2. Echte Kommunikation beruht auf gegenseitiger Interaktion (also gilt gerade dem Zuhören eine hohe Aufmerksamkeit).
  3. Ihr eigenes Online-Angebot kann und soll nicht das gleiche Angebot sein, das ihr Unternehmen generell bietet (also brauchen sie eigene Inhalte und andere Perspektiven).

In einer Online Community geht es eben nicht direkt um ihr Produkt oder ihre Dienstleistung, sondern um relevante Informationen, die die Menschen in der Community interessiert.

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Bitte lesen Sie weiter –>> hier.

3 Schritte zu sinnvoller Social Media Nutzung

Ja, auch von mir mal wieder einen Artikel über die Nutzung sozialer Netzwerke – aber diesmal aus dem Blickwinkel kleiner und mittlerer Unternehmen, die im Jahre 2014 sich mal professioneller mit dem Thema beschäftigen möchten. Der Artikel wurde von dem Schweizer portal managementpraxis.ch veröffentlicht.

3 Schritte zu sinnvoller Social Media Nutzung im Jahr 2014

 

Auch wenn es dem professionellen Nutzer sozialer Medien manchmal kaum vorstellbar erscheint, es gibt nach wie vor viele Unternehmen, für die der Umgang mit den sozialen Netzwerken noch Neuland ist. Über 70% dieser Unternehmen hat sich für 2014 vorgenommen, daran etwas zu ändern.

 

Wenn soziale Netzwerke noch Neuland sind

 

Nun stellt sich dann aber sofort die Frage, wie beginnen? Benutzerkonten anlegen, Seiten erstellen und die eigenen Presse-Veröffentlichungen durch andere Kommunikationskanäle schicken sind technische Notwendigkeiten, die eben nicht der erste Schritt sein sollten. Viel wichtiger ist es, zunächst einige grundsätzliche Überlegungen anzustellen und dann die Eroberung des Neulands in zügigen Schritten zu planen.

 

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-> hier gehts es zu dem ganzen Beitrag